Mount Everest und seine Facetten

Der Mount Everest wird auf Nepalesisch „Sagarmatha“ genannt, auf Tibetisch heißt er „Chomolungma“. Im Mai 1953 eroberten Tensing Norgay Sherpa und Sir Edmund Hillary erstmals den Gipfel des Mount Everest, der mit seinen stolzen 8848 Metern über dem Meeresspiegel der höchste Berg der Welt ist. Inzwischen haben es sich viele Bergsteiger zum Ziel gesetzt, den Giganten zu erklimmen und neue Rekorde aufzustellen – doch nicht immer gelingt dieses ehrgeizige Vorhaben. Der Kampf oder gar die Kraftprobe mit der Natur in den extremen Höhen und der Kälte des Himalayas haben bereits viele Todesopfer gefordert und unzählige Bergsteiger zum Umkehren gezwungen. Die heutigen Expeditionen werden mit modernster Ausrüstung „machbar(er)“ und zugänglicher gemacht, was uns Menschen ein (vermeintliches) Gefühl von Sicherheit und Kontrolle gibt – doch wir sollten nie vergessen, Mount Everest mit dem höchsten Respekt zu begegnen. Denn die Oberhand hat immer Mutter Natur. „Wenn ich einen toten Körper bergen muss, wird es mir im Herzen kalt, und ich werde sehr traurig“, berichtet Sherpa in einem Video von Filmregisseur DJ Clark. Viele Rettungseinsätze verlaufen erfolgreich, aber wenn eine Rettung nicht möglich ist, will Sherpa zumindest dafür sorgen, dass die Körper der verunglückten Bergsteiger geborgen und zurück zu ihren Familien gebracht werden können. Rettungsteams, die am Mount Everest im Einsatz sind, gehen an ihre Grenzen und darüber hinaus, um Bergsteiger und ihre Teams zu retten. Ohne Gerätschaften und moderne Technik wären solche Einsätze in derartigen Höhen nicht möglich. Wir Menschen suchen das Abenteuer und legen oftmals einen großen Ehrgeiz an den Tag, um unsere Ziele zu erreichen. Dazu brauchen wir aber eine gute Ausrüstung und eine fundierte, umfassende Vorbereitung – eine Grundvoraussetzung, der sich sowohl die Bergsteiger als auch die Bergsteigerverbände bewusst sein sollten.Auf ihrem Weg zum glorreichen Gipfelerfolg lassen Bergsteiger und Organisatoren oftmals ethische und soziale Aspekte außer Acht und vergessen das Wesentliche: die Verbindung zwischen Mensch und Natur, die in den letzten Jahren dramatisch aus dem Gleichgewicht geraten ist. In einem Bericht von Tech Times wird der Berg als "die höchstgelegene Müllhalde der Welt" beschrieben. Alton Byers, Berg-Geograf am Institute for Arctic and Alpine Research an der University of Colorado berichtet, dass das Problem im Umland noch schlimmer ist als im Gebirge selbst. Im Sagarmatha-Nationalpark, wo sich der Mount Everest befindet, wurden inzwischen Duzende Mülldeponien rund um Lodges und Dörfer angelegt. Auch, wenn der Mensch in seinen Ambitionen unermüdlich ist, sollten wir niemals vergessen, dass die Natur unsere Lebensgrundlage bildet, doch umgekehrt braucht uns die Natur nicht, um zu überleben. Nur, wenn wir ihr Respekt und Wertschätzung entgegen bringen, können wir die Verbindung zwischen Mensch und Natur wieder stärken und die Grundlage für ein gesundes Gleichgewicht schaffen. Die Schatten, die der Mensch auf den berühmten Berg wirft, sind nicht zu übersehen. Doch trotz aller Negativschlagzeilen hat Mount Everest seine magische Anziehungskraft nicht verloren: Aus gutem Grund kann der Gigant nach wie vor verzaubern und Abenteurer tief in seinen Bann ziehen.


Der Everest Base Camp Trek ist der perfekte Einstieg für alle, die die Welt des Himalayas erkunden wollen.
Wer sich gerne Zeit nimmt, sollte 15 bis 20 Tage (ab Anreisetag in Kathmandu) für den Everest Base Camp Trek einplanen.

Nach der Ankunft in Kathmandu (1360 m) empfiehlt sich eine Besichtigung der UNESCO-Welterbestätten wie zum Beispiel Bashantapur, Patan und Bhaktapur. Wunderschöne Tempel und der Einblick in den Alltag der nepalesischen Bevölkerung sorgen für den richtigen Auftakt einer unvergesslichen Reise. Auch Gegenden wie die Old Freak Street und Thamel, die an die Hippie-Kultur der 70-er und 80-er Jahre erinnern, sind einen Besuch wert. Das Trecking-Abenteuer beginnt mit einem Inlandsflug nach Lukla. Von Lukla aus geht es in einem 3- bis 4-stündigen Marsch nach Phakding auf einer Höhe von 2652 Metern. Auf dem Weg durch die herrliche Bergkulisse wird der mächtige Dudh Koshi-Fluss überquert. Nach einer Nacht in Phakding führt der Weg weiter nach Namche Bazar (3440 m, ca. 6 Stunden). Auch hier eröffnen sich atemberaubende Ausblicke, den Wanderer erwarten Überquerungen von spektakulären Hängebrücken und die herrlichen Landschaften des Sagarmatha-Nationalparks. Mit etwas Glück ist sogar schon der Mount Everest zu sehen. In Namche Bazar können Besucher auf dem uralten Handelsweg wandeln, der Nepal mit Tibet verbindet. Namche Bazar ist auch die nächste Übernachtungsstation und bietet eine gute Gelegenheit, sich mit den Einheimischen auszutauschen, regionale Köstlichkeiten zu entdecken und die Kultur kennenzulernen. Auch empfehlenswert: das Edmund Hillar-Museum und ein Glas Wein aus der Region bei einer atemberaubenden Aussicht. Am nächsten Tag geht es nach dem Frühstück frisch gestärkt mit einem 5-stündigen Marsch auf 3860 Meter nach Tengboche. Zu den Highlights des Tages zählen wilde Bergformationen und -landschaften, untermalt durch den Dudh Koshi-Fluss, und mit Glück begegnet man einem Himalaya-Tahr, einer ziegenartigen Paarhuferart, die im Himalaya zuhause ist. In Tengboche kann das weltberühmte Kloster besucht werden, und zur Feier des Tages sollte man unbedingt einen Schluck Yak-Milch probieren. Am nächsten Morgen ruft Pheriche auf 4410 Metern. Auf der etwa 5-stündigen Wanderung bieten sich wahrhaft göttliche Ausblicke auf das Gebirge, während der Weg an kleinen und großen Gompas (Klöstern) vorbei führt. Bei dieser Gelegenheit sollte man es nicht versäumen, die Berggötter um ihren Segen zu bitten. Wer fit ist, kann am nächsten Tag nach Louche (4910 m) wandern (ungefähr 5 Stunden). Die Route kann Einsteiger vor eine Herausforderung stellen, vor allem, wenn eine dicke Schneeschicht liegt, und der Anstieg zum Fuße des Khumbu-Gletschers ist steil. Nach diesem anstrengenden Tag laden einfache Unterkünfte zum wohlverdienten Schlaf ein. Der große Tag ist gekommen: Ein 8-stündiger Treck führt schließlich zum Endziel auf stolzen 5400 Metern. Wanderer haben zwei Optionen, den Mount Everest aus der Nähe zu erleben: Sie können zum Kala Patthar marschieren, um einen Panoramablick auf den Mount Everest und den majestätischen Sonnenaufgang zu erleben, oder sie besuchen das Everest Base Camp am am Fuße des Berges.

Blog By: Yukesh Gurung, German version by Miriam Altmann

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